Ausländerbeiratswahl am 14.3.2021

Die Geburtsländer der 65 Kandidat*Innen.

65 Kandidat*Innen auf 5 Listen treten für die Ausländerbeiratswahl an, mehr als vor 5 Jahren!

Die Listen sind:

AMN – Aktiv für Natur und Mensch

GOG – Gruppe ohne Grenzen

IKL – Interkulturelle Liste

MI – Miteinander

VGZ – Vielfalt, Gleichberechtigung und Zusammenleben

Weitere Informationen zu den Listen folgen!

Alle Kandidat*Innen der Wahl 2015.

Briefwahl

Ab 1. Februar können Sie Briefwahlunterlagen bekommen. Beantragen können Sie die Briefwahl:

  • über das Wahlamt online
  • Mithilfe des Formulars auf der Rückseite der Wahlbenachrichtigung
  • persönlich im Wahlamt

Aufgrund der Corona-Pandemie ist es für alle Beteiligten das Sicherste, wenn Briefwahlunterlagen nicht persönlich vor Ort im Wahlamt beantragt werden. Eine telefonische Beantragung ist nicht möglich.

Sie haben keine Wahlbenachrichtigung erhalten?

Fragen Sie beim Wahlamt nach, ob Sie im Wählerverzeichnis eingetragen sind. Die Frist zur Einsichtnahme ins Wählerverzeichnis ist vom 22.02. bis 26.02.2021.

Sprache Macht Rassismus

Repost von: Blog (marburg-liebe.de) Text von Luzie Hegele und Shérif Korodowu, Mitglied des Ausländerbeirates.

Shérif Korodowu, Mitglied des Ausländerbeirates.

Der gewaltsame Tod George Floyds im US-Staat Minnesota Ende Mai dieses Jahres erregte weltweit Aufmerksamkeit, Polizeigewalt und Rassismus waren bestimmende Themen. Im Rahmen von „Black Lives Matter“ (kurz: BLM) gingen Millionen von Menschen auf die Straßen um zu demonstrieren und zu protestieren – auch hier in Marburg. Und obwohl das Thema mittlerweile, ein halbes Jahr später, nicht mehr so präsent in den (sozialen) Medien ist und die Vorweihnachtszeit einem eine „Alle-haben-sich-lieb“-Brille aufsetzt: Rassismus ist noch da und das Kämpfen für Gleichberechtigung auf allen Ebenen noch lange nicht vorbei.

Rassismus: ein konstanter Begleiter unserer Sprache

Rassismus beginnt nicht damit, dass Menschen ausgeschlossen, misshandelt oder sogar hingerichtet werden. Fremdenfeindlichkeit beginnt viel früher und schleicht sich immer wieder in unsere Sprache. Und Worte sind eben nicht nur Worte, sondern ein ernstzunehmendes Machtinstrument, das die Realität verändern oder untermauern kann. Haben Sie gerade den Begriff „Fremdenfeindlichkeit“ bedeutungsgleich für Rassismus gelesen ohne die synonymische Verwendung zu hinterfragen? Wird damit nicht impliziert, dass die Diskriminierung „Fremden“ entgegengebracht wird? Kann jemand, der hier aufgewachsen oder sogar geboren ist, „fremd“ in diesem Land sein? Rassismus wird Personen aufgrund äußerlicher Merkmale entgegengebracht, die eine bestimmte Abstammung vermuten lassen. Einfach so.

Shérif Korodowou hat sich bereits in Situationen befunden, in denen er sich durch etwas Gesagtes diskriminiert gefühlt hat. Korodowou kam 1995 im Anschluss an sein Germanistikstudium in Togo nach Deutschland, wo er 2002 das Studium der Politikwissenschaft mit Diplom abschloss. Heute ist er hauptberuflich tätig als Fortbildner für Gewaltprävention und Konfliktbearbeitung im Rahmen des Impuls-Institutes für Konstruktive Konfliktbearbeitung. Dieses gründete er im Jahr 2005 gemeinsam mit seiner Frau. Nebenberuflich fungiert er als Dolmetscher im Asyl- und Strafverfahren beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), sowie für Verwaltungsgerichte, Amts- und Landgerichte für vier afrikanische und drei europäische Sprachen. Als ehemaliger Integrationsbeauftragter der Stadt Marburg, langjähriger Vorsitzender des Afrikanischen Studierendenvereins sowie als Mitglied des Ausländerbeirates der Stadt Marburg verfügt er über fundiertes Wissen rund um die Themen Rassismus, Asyl und Integration.

Rassistisch sein ohne Rassist zu sein

„Begriffe wie ‚farbig‘ oder ‚dunkelhäutig‘ haben mich weniger gestört als die Reaktion der Sprechenden, wenn ich versucht habe, ihnen zu erklären, dass – beziehungsweise warum – diese Begriffe weder korrekt noch angemessen sind“, erzählt Korodowou. „Einige verstehen es nicht oder wollen es nicht verstehen. Andere gehen direkt in die Verteidigung nach dem Motto ‚Ich bin doch kein Rassist. Ich habe auch dunkelhäutige Freunde.‘“

Wie drückt man sich nun also korrekt aus? Welche Formulierungen sind diskriminierend und sollten nicht mehr Teil unseres Sprachgebrauchs sein? Teilweise werden rassistische Benennungen und Redewendungen benutzt, ohne dass den Sprechenden die Problematik bewusst ist.

Shérif Korodowou hat ein paar Begriffe definiert und erklärt, für was sie stehen und in welchem Zusammenhang sie was bedeuten:

„‚Schwarz‘ ist zwar politisch korrekt, viele Schwarze benutzen aber häufiger den Begriff ‚Black‘, um sich und andere Schwarze zu bezeichnen“, ergänzt Korodowou.

Für (Black, Indigenous and) People/Person of Color gibt es kein Pendant in der deutschen Sprache.

Selbstbezeichnung = Selbstbestimmung

Für die Wichtigkeit der Verwendung von Selbstbezeichnungen nennt Shérif Korodowou zwei ausschlaggebende Gründe: „Selbstbezeichnung ist Selbstbestimmung. Außerdem steht die Selbstbezeichnung für die Schwarze Community vor allem für eine Unabhängigkeit von anderen und für eine Emanzipation aus der Unmündigkeit. In vielen Bereichen wird für Schwarze Menschen entschieden. Ihnen wird geholfen ohne zu fragen, ob sie Hilfe benötigen oder welche Hilfe sie brauchen. Jahrhundertelang galten sie und ihr Herkunftskontinent als unmündig. Die Selbstbezeichnung ist eine politische Botschaft, die lautet: ‚Wir können entscheiden, wie wir genannt werden wollen und bitten alle, diese Entscheidung zu respektieren.‘“

Informieren – Akzeptieren – Ändern

Auf die Frage, was weiße Menschen tun können, um Sprache nicht weiter diskriminierend zu verwenden, hat der Marburger eine klare Antwort: Sich über Begriffe und deren Geschichte zu informieren ist der erste Schritt. „Sprachen entwickeln sich und bestimmte Begriffe sind mit der Zeit veraltet oder diskriminierend: Es ist noch nicht lange her, da war es normal ‚Zigeuner‘ oder ‚Fräulein‘ zu sagen.“, so Korodowou. Dass das N-Wort mittlerweile für die meisten in Deutschland ein No-Go ist, freut den Dolmetscher: „Es herrscht fast überall Konsens, dass dieses Wort total erniedrigend für die Betroffenen ist.“ Eine weitere positive Entwicklung sieht er in der Umbenennung der, wegen ihres Namens seit langem in der Kritik stehenden Mohrenstraße in Anton-Wilhelm-Amo-Straße (Anton Wilhelm Amo war der erste bekannte Rechtsgelehrte und Philosoph afrikanischer Herkunft in Deutschland), welche die Bezirksverordnetenversammlung von Berlin-Mitte im August beschloss.
„Der Begriff ‚Mohr‘ ist diskriminierend und Schwarze und People of Color wollen nicht als ‚Mohr‘ bezeichnet werden“, erläutert der Fortbildner.
Der zweite Schritt ist die Bereitschaft, Haltung zu zeigen. „Ich höre oft Beschwerden nach dem Motto: ‚Was kann man denn noch sagen?‘. Die Einstellung sollte jedoch sein: ‚Ich bin bereit mit der Zeit zu gehen, ich bin bereit zu verstehen, zu lernen‘“, erklärt Korodowou. Er führt fort: „Die Sprache zu sprechen, haben wir alle gelernt. Alle bisherigen Wörter und Fremdwörter haben wir gelernt. Ob wir nun drei weitere Wörter durch drei andere ersetzen, macht unsere Sprachkenntnisse nicht zunichte.“

Ganz im Gegenteil: „Es geht darum, Sprache lebendig zu halten, mit unseren Mitmenschen in eine gesunde Interaktion zu treten und sie nicht auszuschließen. Denn Sprache kann wohl für beides genutzt werden: isolieren oder integrieren.“

Links:

Hier geht es zu Website von “Impuls, Institut für konstruktive Konfliktberatung”.

Hier können Sie einen Artikel über Shérif Korodowou lesen, der am 22.06.2020 in der Oberhessischen Presse erschien.

Hier ist ein Rassismuskritisches Alphabet mit weiteren wichtigen Begriffen. Autorin: Tupoka Ogette und Design: Kraut und Konfetti

Blut kennt keine Unterschiede!“ Ausländerbeirat ruft zu Blutspenden auf

Donnerstag 18.6., 9:30 Uhr: Mit Abstand und Mundschutz gehen Mitglieder des Marburger Ausländerbeirates zur Blutspende. Der Termin wurde vor Wochen mit dem Blutentnahmeteam abgesprochen.

  • Sylvie Cloutier, stellvertretende Vorsitzende des Ausländerbeirates, beim Blutspenden.

Bereits im Mai teilte der Ausländerbeirat Marburg den Aufruf des Uni Klinikums. Aufgrund der aktuellen Situation fehlt es an Blutspender*innen. Unter dem Motto „Blut kennt keine Unterschiede“ haben sich einige Mitglieder, die Blut spenden können zu diesem gemeinsamen Termin verabredet. Dort wurden sie vom Prof. Dr. Sachs, dem ärztlichen Leiter der Transfusionsmedizin des UKGM Marburg, empfangen.

Goharik Gareyan, Vorstandsvorsitzende des Ausländerbeirates: „Nicht alle Mitglieder des Ausländerbeirates können gerade Blutspenden, wir rufen aber alle gemeinsam dazu auf: Wenn ihr könnt, wenn es euch gut geht und sonst nichts dagegenspricht, geht Blutspenden!“

Sylvie Cloutier, stellvertretende Vorsitzende: „Es gibt viele Menschen, die gerne Blut spenden würden, aber aus verschiedenen Gründen nicht dürfen. Darüber braucht es immer wieder eine Diskussion. Die Sicherheit der Spender*innen und Empfänger*innen hat natürlich höchste Priorität. Es muss jedoch verhindert werden, dass Menschen aufgrund solcher Regelungen ausgegrenzt und diskriminiert werden. Ausländische Mitbürger*innen möchten an dieser Blutspendenaktion teilnehmen, um ihren Mitmenschen zu helfen. Sie möchten mit ihrer Blutspende zeigen, dass sie vollwertige Bürger dieser Stadt sind und wünschen sich stärkere Partizipation an der Gesellschaft und Anerkennung“ Diese Ziele unterstützt Prof. Dr. Sachs. Er erklärt im Gespräch mit den Vertreter*innen des Ausländerbeirates die Ausschlussgründe für die Blutspende, dies gelte z.B. bei Menschen, die aus Malaria Risikogebieten stammten. Im Gegensatz zu HIV, gibt es in Deutschland kein zuverlässiges und zugelassenes Verfahren, um eine Malariainfektion im Blut nachzuweisen. Es sei aber keine generelle Diskriminierung von Ausländern, sondern hänge eben mit spezifischen Risiken spezifischer Herkunftsregionen zusammen. Er begrüße ausdrücklich die Spende von Migrant*innen oder Menschen mit Migrationshintergrund.

Mit der Aktion vom 18.6. hat der Ausländerbeirat Marburg erfolgreich  an dem Blutspende-Wettbewerb Medisspendenblut teilgenommen, über das bereits in der Presse berichtet wurde. Der Wettbewerb geht noch bis zum 3.7. und soll ab jetzt jährlich stattfinden. Der Ausländerbeirat Marburg ruft ausdrücklich auch andere Ausländerbeirate des Landes auf, bei der Blutspende-aktion mitzumachen.

Es bietet sich an, vorher nachzufragen, ob gerade bei der Blutspende viel los ist. Aufgrund aktueller Auflagen können weniger Personen gleichzeitig spenden und kann es zu Wartezeiten kommen. 

Blutentnahmeteam des UKGM Marburg, Tel.: 06421/58-64492

Wahlvorbereitungen

Der Termin für die nächsten Ausländerbeiratswahlen steht fest: Am 14.3. 2021 werden die Ausländerbeiratswahlen gleichzeitig mit den Kommunalwahlen stattfinden.

Ein Beschluss der Stadtverordnetenversammlung hat die kommende Ausländerbeiratswahl in Marburg bestätigt. Andere Ausländerbeiräte fürchten aufgrund der Gesetzesänderung der hessischen Landesregierung eine faktische Abschaffung. Die Kommunen können sich entscheiden, ob Sie einen Ausländerbeirat wählen lassen, oder ob sie eine Integrationskommission ernennen. Trotz Kritik an dieser Wahlmöglichkeit wurde dieses Gesetz verabschiedet.

Die bestehenden Ausländerbeiräte setzen sich dafür ein, dass in möglichst vielen Kommunen Ausländerbeiräte gewählt werden, z.B. auch im Kreis Marburg-Biedenkopf.