Liebe Mitmenschen aus Marburg,
Schön, dass wir hier alle hier sind, um unseren Zusammenhalt auszudrücken. Heute ist der Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Als Migrant*innen wissen wir um diese besondere Geschichte Deutschlands und wir bekennen uns zu ihr. So was darf in Deutschland nie wieder geschehen, dafür müssen wir gemeinsam kämpfen und uns Tag für Tag gegen Rassismus und Antisemitismus einsetzen.
Aber allen, die von Remigration faseln, denen sagen wir laut ins Gesicht: „Wir sind hier und wir bleiben hier“.
Und Ihr braucht uns doch. Wir sind Eure Bademeister*innen, Eure Busfahrer*innen, Eure Erzieher*innen und Eure Unternehmer*innen. Und wir brauchen Euch, damit Ihr uns belehren könnt. Wir haben dies echt zu schätzen gelernt. Und daher brauchen wir uns gegenseitig.
Selbst die AFD braucht uns, sonst hätten sie nichts zu meckern. Was würde sie tun ohne Feindbild? Wie man sieht, läuft nichts in diesem Land ohne uns, wenn es uns nicht gäbe, müsste man uns erfinden.
Und alle, die die AFD noch wählen, sollten jetzt wirklich wissen, was sie tun. Man kann Kritik an der vorhandenen Politik auch konstruktiv lösen. Das ist das Schöne an Deutschland, man kann sich engagieren und einbringen. Und wer Fragen an Migrant*innen und Ausländer*innen hat, kann sie uns jederzeit stellen, denn wir suchen das Miteinander im gemeinsamen Gespräch.
Dennoch sollte man auch klar benennen, dass es nicht hilfreich ist, Migration gesamtgesellschaftlich über alle Parteien hinweg oft nur negativ zu thematisieren und als Problem zu sehen.
Sehen wir etwa aus wie ein Problem? Oder alle anderen Migranten hier? Nein wir sind Menschen, die das Leben an diesen Ort verschlagen hat, zu anderen Menschen, die aus Gottes Laune heraus das Glück hatten, hier geboren zu sein und nicht in Kriegsgebieten. Sich darauf etwas einzubilden ist grotesk und etwas mehr Bescheidenheit wäre angebracht.
An dieser Stelle möchten wir auch erwähnen, dass wir solidarisch mit all unseren Mitbürger*innen in Marburg sind, die Opfer in Kriegsgebieten zu beklagen haben. Hier gilt es Empathie zu beweisen und zu zeigen, dass wir als Marburger*innen zusammenstehen und gemeinsam aufeinander aufpassen.
Und hier sind wir Migrant*innen ein wichtiger Baustein. Aber wir brauchen kluge Wähler wie Euch! Denn die Lage ist ernst. Die Idee der Remigration ist gefährlich. Deshalb, benutz euer Wahlrecht und lasst es nicht zu, dass die Afd und ihre Kreise an die Macht kommen. Denn danach wird dieses Land keine Zukunft mehr haben.
Um dies zu verhindern, werden wir es immer wieder sagen: „Wir sind hier und wir bleiben hier.“ Marburg ist unsere gemeinsame Heimat.